Peace Damage

Wir leben im falschen Frieden. Wir streiten nicht mehr, weil wir verlernt haben, den Dissens auszuhalten. Weil wir nicht wissen, wie man in eine Auseinandersetzung geht, ohne einander zu verletzen. Weil wir bereits unbewusst wissen, dass wir im Streit bestehende Strukturen stürzen könnten und mit ihnen unsere bequeme Sicherheit. Stattdessen gehen wir Kompromisse ein, von denen unser Gegenüber nichts weiß, da wir über sie nicht sprechen, und nennen es „Harmonie“. „Harmonie ist eine Strategie“, singen bereits Tocotronic und haben verdammt recht damit. Eine Strategie, die wir von klein auf lernen: Konsens suchen. Und den suchen wir, wir suchen ihn wirklich und doch ahnen wir, dass es manchmal den Streit braucht. Es ist die Peripherie unseres Denkens, wo uns diese Erkenntnis überfällt. Weil wir nur von dort klar sehen, was das Problem ist, nur von dort begreifen, was wir angerichtet haben: Wir haben den Frieden zerstört mit unserer Harmonie. Peace Damage. Das geht eine Zeit lang gut, aber niemand kann den Streit ewig an den Rand des Seins drücken. Das tun wir so lange, bis unter dem Druck alles zusammenbricht, doch dann wird es zu spät sein. Denn wo nur noch Streit ist, kann man nicht mehr streiten. Also muss man beginnen, bevor es zu spät ist: Man muss den Frieden aktiv zerstören, um ihn zu sichern. Und genau das ist das Wesen eines demokratischen Zusammenlebens: Der Widerstreit von Meinungen. Von Stimmen. Die wollen wir hören – und hörbar machen. Online und offline, in der Akademie der bildenden Künste und darüber hinaus, in Fragebögen, Gesprächen und Plena. Also: Einfach mal reinhören, dem Streiten lauschen, dabei den inneren Frieden finden und wenn Du willst, sogar selbst mitmachen.

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